10:30 Uhr | Ort: St. Sturmius
Ökumenischer Eröffnungsgottesdienst
Eine Gänsehaut nach der anderen – Ökumene, die verbindet
Es gibt Gottesdienste, die bleiben in Erinnerung. Und es gibt diese besonderen Momente, in denen man das Gefühl hat: Hier geschieht gerade etwas. Hier ist Gemeinschaft. Vielleicht ist hier sogar ein wenig von Gottes Gegenwart zu spüren.
So ein Moment war der ökumenische Eröffnungs-Wortgottesdienst in St. Sturmius. An diesem wundersamen Sonntag folgte tatsächlich eine Gänsehaut der nächsten. Nicht wegen großer Inszenierungen, sondern wegen der vielen kleinen und großen Augenblicke des Miteinanders: wegen der Worte, die gesprochen wurden, wegen der Offenheit füreinander und wegen der spürbaren Freude darüber, gemeinsam Christinnen und Christen zu sein.
Evangelisch oder katholisch? An diesem Sonntag spielte das keine trennende Rolle. Menschen aus den vier Rintelner Kirchengemeinden St. Nikolai, St. Sturmius, Johannis und Jakobi saßen Seite an Seite und feierten gemeinsam das Wort Gottes. Und sie bereiteten – im übertragenen Sinne – die große „Käsetheke des Lebens“ vor: eine bunte Auswahl an Probierhappen, die während der ökumenischen Woche Lust darauf machen soll, Gemeinschaft zu kosten, Neues kennenzulernen und miteinander Glauben zu leben.
Eingeleitet und begleitet wurde dieser besondere ökumenische Wortgottesdienst von Dr. Diana Kolb vom Caritasverband im Weserbergland. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie die ökumenische Woche in Bückeburg durchgeführt. Nun findet mit der ökumenischen Woche in Rinteln gewissermaßen der zweite Teil statt – und bringt die vier Gemeinden St. Nikolai, St. Sturmius, Johannis und Jakobi noch einmal auf ganz besondere Weise zusammen.
Dabei wurde zunächst sichtbar gemacht, wie viel Ökumene in Rinteln längst gelebt wird. Wie viele bürgernahe, liebevoll organisierte Veranstaltungen und Begegnungen es bereits gibt. Gleichzeitig wurde deutlich: Da geht noch so viel mehr! Es gibt noch viele Möglichkeiten, aufeinander zuzugehen, voneinander zu lernen und den gemeinsamen Glauben miteinander zu leben.
Besonders bewegend waren die Fragen, mit denen sich die Gemeinden auseinandersetzten: Was würden wir eigentlich vermissen, wenn über Nacht alle Konfessionsgrenzen verschwunden wären? Welche „Zutat“ würde unsere eigene Gemeinde mitbringen, wenn alle vier Gemeinden zusammen eine gemeinsame Mahlzeit wären? Was würden wir einer anderen Kirche aus unserer eigenen Kirche schenken, wenn dieses Geschenk kein Gegenstand sein dürfte? Und was würden wir einem Menschen antworten, der neu nach Rinteln zieht und fragt: „Warum gibt es hier eigentlich vier Kirchengemeinden, wenn ihr doch alle an denselben Gott glaubt?“
In den Antworten lag viel Nachdenkliches, viel Herzlichkeit – und immer wieder dieser besondere Gänsehautmoment. Denn bei aller Verschiedenheit wurde eines ganz deutlich: Gemeinschaft wird in der Ökumene großgeschrieben.
Uns verbindet mehr, als uns trennt. Uns verbindet der Glaube an Gott. Uns verbindet die Hoffnung, die wir miteinander teilen. Und uns verbindet die wunderbare Möglichkeit, als Christinnen und Christen nicht nur nebeneinander, sondern miteinander unterwegs zu sein.
Vielleicht war es genau das, was an diesem Sonntag in St. Sturmius so deutlich zu spüren war: Ökumene ist nicht zuerst eine Frage von Strukturen, Zuständigkeiten oder Konfessionsgrenzen. Ökumene beginnt dort, wo Menschen miteinander sprechen, einander zuhören, miteinander lachen, beten und Gottes Wort feiern. Wo sie neugierig aufeinander bleiben und entdecken, was der andere mitbringt. Und vielleicht dürfen wir gerade in solchen Augenblicken darauf vertrauen, dass Gott selbst mitten unter uns ist.
Der Eröffnungsgottesdienst hat jedenfalls Appetit auf mehr gemacht – auf die vielen weiteren „Probierhappen“ an der Käsetheke dieser ökumenischen Woche.
Alle sind deshalb herzlich eingeladen, an den weiteren Veranstaltungen dieser ökumenischen Woche teilzunehmen, Gemeinschaft zu erleben, Neues zu entdecken und miteinander zu erfahren, wie lebendig und bereichernd gelebte Ökumene sein kann.